Kulturrevolution in Brandenburg

Zwischen der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) und der Hochschule Lausitz liegen rund 40 Kilometer. Inhaltlich scheint der Abstand aber um einiges größer. Während die Universität forschungsorientiert ist, arbeitet die Fachhochschule (FH) vor allem praxisbezogen. Dennoch sollen beide schon Mitte 2013 zur "Brandenburgische Technische Universität Cottbus Senftenberg" fusionieren. Das ist nicht weniger als ein Kulturbruch.

Wie unterschiedlich Universität und Fachhochschule sind, zeigt schon die Geschichte: Während die erste Uni der Welt schon 1088 in Bologna gegründet wurde, feierte die älteste Fachhochschule gerade erst ihren 40. Geburtstag. Doch mit der Zweiteilung soll zumindest in der Lausitz Schluss sein. Nach den Plänen des brandenburgischen Wissenschaftsministeriums sollen die FH und Uni aufgelöst werden und eine neue Universität gegründet werden. Nur so könnten beide Hochschulen erhalten werden, heißt es.

Kommt es zu einer Neugründung aus Universität und FH, fürchtet Walther Christoph Zimmerli, Präsident der BTU, dass es Nachahmer geben wird. "Wenn die Landesregierungen dadurch sparen können, werden sie es garantiert versuchen", sagt er. Ein Bachelor-Abschluss an der FH kostete den Steuerzahler im Jahr 2009 rund 13.000 Euro. Der Abschluss an einer Uni ist mit über 28.000 Euro mehr als doppelt so teuer. Zimmerli ist gegen die Neugründung, ebenso wie viele Uni-Studenten, Mitarbeiter und Bürger. Seit die Pläne im Februar vorgestellt wurden, protestieren sie. Das hat viele Gründe: Die besten Studenten könnte man, so die Befürchtung, an "richtige" Universitäten verlieren. Und die BTU sieht ihre Bemühungen zunichte gemacht, in die Deutsche Forschungsgemeinschaft aufgenommen zu werden - dem wichtigsten Gremium für wissenschaftliche Hochschulen. Dass sie kein Mitglied ist, spricht allerdings nicht gerade für ihre Forschungsstärke.

Hinzu kommt, dass Universitäts- und FH-Professoren ein gänzlich anderes Selbstverständnis haben. Die Professoren an der FH sind meist Praktiker, die zurück an die Hochschule kommen. Universitätsprofessoren hingegen haben meist nie etwas anderes als den Wissenschaftsbetrieb kennengelernt.

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