Angriff auf die Schulbuchverlage
Manchmal ist es einfach gut, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Hätte Thomas Tillmann seinen Stand auf der Bildungsmesse Didacta Anfang 2012 ähnlich besetzt wie die großen Schulbuchverlage, würde einer der Bestseller heute im Programm seines Verlags fehlen. Nur zufällig kam Dirk Christian Küsters an den Stand des kleinen Verlags, nachdem die großen Schulbuchverlage den Lehrer vertröstet hatten - der zuständige Gesprächspartner sei gerade nicht da.
Tillmann aber war da. Küsters suchte einen Verlag für sein Buch, die beiden kamen ins Gespräch. Nicht einmal drei Monate später gab es Küsters Werk zu kaufen. "Das Referendariat überleben" steht heute auf Rang acht der Bestsellerliste des Lehrerselbstverlags, der die Bücher und Unterrichtsmaterialien erst druckt, wenn sie jemand im Internet bestellt hat. Print on demand nennt sich das. Die Schulbuchverlage nehmen ihn mittlerweile ernst. Zumal Tillmann nicht der Einzige ist, der das Internet nutzt, um die großen drei der Branche - Klett, Cornelsen und Westermann - herauszufordern.
Der Schulbuchmarkt steckt in einem gewaltigen Umbruch - und Initiativen, wie die des Lehrerselbstverlags oder eine Plattform für kostenlose, digitale Schulbücher treiben diesen mit an. Die Zahl der Schüler wird schrumpfen, der Staat gibt schon jetzt immer weniger für Schulbücher aus, zumal das digitale das gedruckte Buch ablösen wird. Hinzu kommt: Vor allem jüngere Lehrer wollen ihren Unterricht nicht mehr mit einem alten Schulbuch bestreiten, sondern mit aktuellen Materialien, die sie auch kopieren dürfen.
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