Weniger ist nicht mehr

In Bayern haben die Wähler entschieden, dass sie entscheiden wollen: Schafft der Landtag die Studiengebühren an den bayerischen Hochschulen nicht ab, wollen sie das in einem Volksentscheid tun. In Niedersachsen ist die Politik schon einen Schritt weiter, hier wird schon der Ausgleich für "Einnahmeausfälle" durch das geplante Aus für die Campus-Maut im Land diskutiert.

Ausgleich, Ersatz oder Kompensation - alle Bundesländer, die die Gebühren abgeschafft haben, versprachen gleichzeitig ihren Hochschulen, das verlorene Geld künftig aus dem Staatshaushalt zu spendieren. Gehalten hat das kaum eines, zumindest nicht auf lange Sicht.

Mehr Tutorien, weniger Seminarteilnehmer, längere Bibliotheks-Öffnungszeiten: Allgemeine Gebühren sollten die Lehre an den deutschen Hochschulen verbessern. Und das haben sie auch, in Hamburg, NRW, Baden-Württemberg, dem Saarland und Hessen, die sie längst wieder abgeschafft haben. Doch ohne Kompensation können die Hochschulen das nicht aufrechterhalten.

Ein Jahr lang galt in Hessen die Zahlungspflicht für Studenten. Im Winter 2007 eingeführt war sie schon ein Jahr später Geschichte. Den Hochschulen im Land versprach die Politik Ersatz. Und so klingen die Zahlen der Universität Kassel auf den ersten Blick auch ausgeglichen. Im Wintersemester 2007/2008 und Sommersemester 2008 nahm die Hochschule insgesamt 10,46 Millionen Euro an Studiengebühren ein. Im vergangenen Jahr überwies das Land 10,49 Millionen Euro Ausgleichszahlung, die ähnlich wie die Gebühren zur "Verbesserung der Qualität der Studienbedingungen und der Lehre zu verwenden" sind. Der zweite Blick aber zeigt: Im Wintersemester 2007/2008 studierten rund 16.400 junge Menschen an der Uni, fünf Jahre später sind es 22.100. Die Zahl der Lernenden stieg also um 35 Prozent - der Ausgleich kann da bei weitem nicht mithalten.

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