Mission im Klassenzimmer
Jacob Kestner erinnert sich noch an das flaue Gefühl, als er zum ersten Mal in der Lehrerrolle ein Klassenzimmer betrat. "Ich wünschte, die Erde würde mich verschlingen." Er war 22 Jahre alt, frischgebackener Absolvent der Uni Manchester. Als Rüstzeug hatte er außer seinem Bachelor und einer sechswöchigen Blitzausbildung nur Enthusiasmus und den Wunsch, etwas für die weniger Privilegierten in der Gesellschaft zu tun. So begannen zwei Jahre als Geschichtslehrer an der Brennpunktschule Albany Secondary in Enfield bei London. Heute arbeitet Jacob als Consultant für den Marketingstrategen "Promise Corporation" am Oxford Circus in London. Er ist 25 und spricht immer noch voller Begeisterung über seine Zeit mit der Organisation Teach First. "Nichts kann einem mehr Selbstvertrauen geben, als in eine schwierige Klasse mit 15-Jährigen zu gehen, die garstig sind und dir das Leben schwermachen. Wenn man das schafft, ist man für alles gerüstet."
Die Grundidee von Teach First ist ein Stück echt angelsächsisches laterales Denken: Absolventen aus dem Spitzensegment frisch von der Uni weg auf schwierige Schulklassen loslassen. Britische Wirtschaftsverbände fragten die Unternehmensberatung McKinsey vor Jahren, wie das Ausbildungsniveau gerade an Brennpunktschulen verbessert werden könne. Die Antwort von McKinsey- Consultant Brett Wigdortz: junge, motivierte Lehrer an die Schulen schicken, die Rollenvorbilder sein können. Wigdortz war so überzeugt, dass er den Plan gleich in die Tat umsetzte. 2002 begann das Programm. Die Mission: "Benachteiligung im Bildungswesen bekämpfen, indem hochbegabte Hochschulabsolventen in effektive, inspirierende Lehrer und Führungspersönlichkeiten auf allen Gebieten verwandelt werden."
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