Der Traum vom eigenen Computer

Irgendwie sind es Glückskinder, diese 23 Jungen und Mädchen der Klasse 6.3 an der Walter-Gropius-Schule in Berlin-Neukölln. "Ich kann viel schneller schreiben", sagt Joshua-Jerome, von seinen Mitschülern und Lehrer Christian Frahm kurz "JJ" genannt. "Wir können gegenseitig unsere Texte lesen und dürfen uns Kommentare schreiben." Die Finger des 11-Jährigen flitzen über die Tastatur. "Es macht so viel Spaß", sagt Meltem, 12 Jahre. "Außerdem kriege ich keinen Krampf in den Händen vom Schreiben."

JJ und Meltem sind Teil einer Notebook-Klasse, das heißt, jedes der Kinder hat einen eigenen, von der Schule gestellten Laptop, seit vier Jahren mittlerweile, und seitdem sind die Computer für die 10- bis 12-Jährigen wie Stift und Blatt ein ganz normales, alltägliches Arbeitsmittel - aber das ist die Ausnahme, nicht die Regel an deutschen Schulen.

An deutschen Schulen, sagt Andreas Breiter, Professor am Institut für Informationsmanagement Bremen, "kommen neue Medien zum Teil überhaupt nicht vor. Dabei ist die Umwelt der Schüler ganz anders: Neue Medien gehören für sie zum privaten Alltag." Für eine Studie für die Landesmedienanstalt NRW hat Breiter herausgefunden, dass nicht nur zu wenige Computer oder Laptops im Einsatz sind, meist übrigens in isolierten Computerräumen. Oft sind sie so alt, dass neue Software auf ihnen nicht läuft, und ihre Nutzung ist mitunter so kompliziert, dass Lehrer nur zögerlich mit den neuen Möglichkeiten arbeiten. Große Unterschiede in den Bundesländern gibt es nicht - allesamt, sagt Breiter, stünden sie schlechter da als etwa die skandinavischen Länder oder Großbritannien. Auch der High-Tech-Verband Bitkom hatte jüngst in einer Studie festgestellt, dass Deutschlands Lehrer keine Technikmuffel seien, beim Einsatz digitaler Medien aber sehr oft an den schlechten Bedingungen an ihren Schulen scheiterten."

Veraltete, schlecht gepflegte Geräte und fehlende didaktische Konzepte machen Lehrern das Leben schwer, befindet Bitkom. Zudem fehlt es an Wissen; zu wenige Pädagogen bilden sich weiter. Die Folge: Computer und Internet spielen im Schulunterricht immer noch eine untergeordnete Rolle.

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